Angeberkind am 06.11.2008 um 14:02 Uhr
Wieso sprechen Politiker immer von Wählerinnen und Wähler, Bürgerinnen und Bürger oder Steuerzahlerinnen und Steuerzahler - verwenden aber den Zusatz "innen" nie wenn es um etwas negatives geht?
Beispiele:
Sozialschmarotzerinnen und Sozialschmarotzer, Steuerhinterzieherinnen und Steuerhinterzieher oder Schwarzarbeiterinnen und Schwarzarbeiter.

Ich denke, dass die Begründung recht einfach ist:
Wenn man von positiven Dingen spricht, sollten auch aus Gründen der Gleichberechtigung Frauen erwähnt werden, um in den Genuss des Positiven zu kommen.
Im negativen Sinne will man aber aus zweierlei Gründen nicht diese Vorgehensweise übernehmen.
Man müsste länger sprechen oder schreiben, da der schon mit negativem Inhalt gefüllte Satz nochmals mit der weiblichen Form aufgebläht wird.
Man will die Schlechtheit oder den negativ besetzten Inhalt nicht gern auf die Allgemeinheit (hier: die sonst diskriminierte, weil unerwähnte Weiblichkeit) umsetzen. Damit wird eine doppelte Diskriminierung erreicht, die das Schlechte auf den männlichen/neutralen Part belässt.

Weil Politiker nie sagen, "Liebe Steuerhinterzieher und -hinterzieherinnen...." Eher "und das muß deutlich gesagt werden, liebe Genossen und Genossinnen" Ich finde diese Frage klasse

Vielleicht weil sich Mädels eher auf den Schlips getreten fühlen als Kerle?
Arki am 24. November 2008 16:06 DH- du hast Einsichten =)

Weil immer nur die Männer "faule Sachen" machen, die Frauen tun sowas nicht.
Milchreisjunkie am 6. November 2008 14:15 Es gibt als doch n och Menschen mit Sinn für Ironie. =-D ! !! ! !
Das nennt man "Gleichberechtigung"
Angeberkind am 6. November 2008 14:11 Nein, das nennt man WILLKÜR. Weil die negativen Begriffe kein weibliches "innen" bekommen.
Aber eine lange Zeit hießen sämtliche Wettertiefs weiblich! Und für die Hochs nahm man männliche Namen. Ist das gerecht gewesen?
MasterYoda am 6. November 2008 14:14 Tiefs ich mag, schlechtes Wetter ganz schön sein kann.
:-))

Männer aller Länder aller Länder vereinigt euch. Lasst euch das nicht bieten. Ich frage: Was können unbescholtene Bürgerinnen und Bürger dafür, dass sie Männer sind?
Super Antwort!

Da sich die Frauenwelt eben nur für eine Gleichberechtigung bei positivem einsetzt. Bei negativen Dingen erlischt dann urplötzlich der Wunsch nach emanzipation...!
Wenn schon emanzipiert, was ich vollstens unterstütze, dann aber auch bitte konsequent! Eine sog. Rosinentheorie (in der sich wünschenswerte Punkte herausgesucht werden und weniger wünscheswerte abgelehnt werden) lehne ich generell ab.
weil du bei bürgern und wählern direkt leute ansprichst. ich habe weder in der zeitung noch in der tagesschau den begriff "steuerzahlerinnen" gehört... d.h. das hat nichts mit negativ oder positiv zu tun.
Angeberkind am 6. November 2008 14:08 Doch. Das hört man ständig in Politiktalkshows, wenn sich Politiker beim Volk einschleimen wollen und ihnen plötzlich die armen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler am Herz liegen.
hanswitzig am 4. Dezember 2008 22:23 In der Zeitung habe ich ausser einem Rascheln auch noch nie etwas gehört.
Weil Frauen immer nur was positives sind und somit im zusammenhang mit negativen Werten nicht genannt werden sollten.

Weil Politiker eigentlich ganz andere Dinge im Kopf haben. Und sie uns ablenken wollen davon. Weil denkende Bürger arg lästig sind, gibt man ihnen gezielt was zum Denken. Aber die Antworten und Erklärungen hier sind schon ganz gut.

...ist vielleicht die ausgleichende gerechtigkeit für "wetternamen", jedes hoch hat einen männer- jeder tief einen frauennamen ;-)) http://www.met.fu-berlin.de/~stefan/ht.html
Hallöle, ich denke da geht es primär um die Gleichberechtigung und nicht um pos oder neg. Sh. Stellenangebote-da muß es drin stehen. ( Damit auch die 1000.0000 Staplerfahrer/INNEN eine Chance haben....)
LG, claudini
Ich glaub du hast die Frage nicht zuende gelesen...
Staplerinnenfahrerinnen und Staplerinnenfahrer und Staplerfahrerinnen und Staplerfahrer, wolltest Du doch bestimmt sagen.
haraldweiss am 2. Dezember 2008 14:05 Und jetzt, liebe Kinderinnen und Kinder, kommt das Sandfrauchen.

Im Deutschen wird normalerweise die männliche Wortform gewählt, wenn das Geschlecht einer Sache (oder Person) keine Rolle spielt. Das nennt man "Generisches Maskulinum". Da Politiker der Meinung sind (sein sollten), dass die Stimmen von Frauen und Männern gleich wichtig sind reden sie eben von "Wählerinnen" und "Wählern". Der Fehler liegt hier also eigentlich bei den Männern, die Ungerechtigkeit wittern, wenn von "Schwerverbrechern" und nicht von "Schwerverbrecherinnen" geredet wird. Hier wird die männliche Form nur deshalb gebraucht, weil das Geschlecht (relativ) unerheblich ist.
Schtreber am 3. Dezember 2008 16:53 Aber das Geschlecht ist doch bei einer Wahl (im Grundgesetz festgelegt) auch volkommen wurscht. Das heißt dort sollte auch nur die allgemeine (zur männlichen identische) Form gebraucht werden.
Nach deiner Argumentation müsste man sonst auch die "Schwerstverbrecherinnen" nennen, da die genauso verdächtig sein sollten (denn vor dem Gesetz sollen ja auch alle gleich sein, genau wie bei Wahlen).
Andersinn am 5. Dezember 2008 01:28 Das Geschlecht ist bei der Wahl deshalb nicht "wurscht", weil Feministinnen darauf achten, ob die weiblich Form in den Reden der Politiken erwähnt wird ;)
Es wird ja auch immer nur von Arbeitgebern gesprochen. Habe noch nie was von Arbeitgeberinnen gehört.

Ich lege persönlich keinen Wert auf das -innen. Mir geht es um das Sein und nicht um die Bezeichnung.
Und ganz ehrlich finde ich es eher peinlich für uns Frauen, dass es Frauenbeauftragte gibt. Bei diesem Begriff gehen mir die Nackenhaare hoch

Frag doch die PolitikerInnen selbst! Die werden Dir sicherlich gern erklären, warum es wichtig ist, wertneutrale und postiv besetzte Begriffe ausdrücklich mit der ver-weiblichten Form zu umschreiben. für negative besetzte Begriffe geht das deshalb nicht, weil sich dann möglicherweise irgendeine Frauenbeauftragte darüber beschwert und auf Unterlassung klagt - denn SteuerhinterzieherInnen oder SozialschamrotzerInnen sind uns aus der BILD-Zeitung leider nicht bekannt: offenbar tun nur Männer Böses!
Tja, vielleicht, weil der Mann immer der "Buh-Mann" ist oder sein soll?
Durch affektives Handeln wird versucht, aufgrund von Schuldgefühlen wegen Jahrtausenden von Ungleichberechtigung, den Frauen etwas "Gutes zu tun". Bei Verbrechern aber wäre es keine gute Handlung mehr auch von Verbrecherinnen zu sprechen. Man nimmt eine Diskriminierung von Männern in Kauf, was meiner Meinung nach teleontologischen Ethik-Bestrebungen widerspricht.
(Ich finde Frauen sollten Verbrecherinnen sagen und Männer Verbrecher.)
Ja sorry mal... aber soooo stimmt das ja nun überhaupt nicht. Jahrtausende waren die Männer die unterdrückten und die Frauen hatten das sagen. Nur weil sich das vor ein paar Jahrhunderten mal umgedreht hat, wollen die Frauen jetzt das große Mitleid und die Gleichberechtigung?
Das geht sowieso nur um die Rechte. Bei Pflichten ist wieder nur die Rede von Männern.
Schtreber am 3. Dezember 2008 16:58 Eben, die Frauen waren nicht immer unterdrückt (es gab da glaubich mal so'ne PharaonIN und irgendsoein Volk, wo es nur KriegerINNEN gab, die die Männer immer voll fertig gemacht haben, aber das war vielleicht auch nur irgendeine Geschichte...).
Künstlich die "neue" Gleichberechtigung der Frau betonen.
Mehr steckt wohl nicht dahinter.
Wäre Gleichberechtigung selbstverständlich gäbe es auch nicht diesen Zusatz.

Weil die Deutschen VOLL politisch Korreckt sein wollen. Durch solche Fragen kann man den Überkorreckten den Spiegel hinhalten und zeigen, wie lächerlich das ganze getue ist ...

weil der /innen-Kram schon im positiven Kontext albern ist, wirkt er im i. d. R. deutlicher konturiert wahr genommenen negativen Kontext erst Recht völlig abstrus, weshalb die Politiker das vermeiden ...
Kien ahnung!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!Y
Und warum gibt es so viele Frauenbeauftragte und bislang nur einen Männerbeauftragten in der Politik? Wo bleibt da die Gleichberechtigung? Das stellt die Politik vor ernsthafte Probleme, wie nachzulesen ist auf http://www.pappa.com/maenner/maennba.htm
Das ist ein sehr guter Kommentar mit guten Ansätzen.
Aber meiner Meinung nach verkennt dieser Ansatz wesentliche Punkte:
Im Kern wird bei negativen Anreden wie z.B. Steuerhinterzieher, Vergewaltiger etc. stets die männliche Form gewählt. Dies ist auch korrekt, da es hier nicht auf die Unterscheidung "Mann-Frau" ankommt, sondern nur auf die objektive Bezeichnung.
Dies ist aber in den meisten Fällen der Anrede gemeint: Ein Arbeitgeber der lediglich Arbeitnehmer in seiner Ausschreibung verwendet, sucht hier eben nicht lediglich männliche Angestellte sondern spricht alle Männer und Frauen an die sich für die Stelle bewerben. Alles andere wäre sowieso geschlechtsdiskriminierend iSd. AGG.
Somit ist meiner Meinung nach die Anrede mit /innen total überflüssig und auch sinnlos.
Verfechter dieser Emanzipierung werden vorbringen, dass sonst eine Bevorzugung der Männer stattfindet, da diese aufgrund der Übereinstimmung der männlichen mit der allgemeinen Anrede besser gestellt werden.
Jedoch ist dem entgegen zu halten, dass diese besagte Bevorzugung durch die negative Wirkung bei Anreden wie "Steuerhinterzieher, MÖrder, Betrüger" wieder kompensiert wird.
Ein Ausgleich der Diskriminierung der Frauenwelt ist somit nicht nötig.
Konsequent wäre nun, wenn sich Männer aufregen, dass bei negativen Anredeformen nur die männliche (=allgemeine) Anredeform verwendet wird, dies wäre aber aus oben genannten Gründen schwachsinn. Außerdem kenne ich persönlich keinen Mann der sich deswegen auf den Schlips getreten fühlt, mir persönlich ist diese ganze Diskussion eigentl. ziemlich egal, einige Menschen, die sich deswegen aufregen haben wohl viel zu viel Zeit in ihrem Leben (vgl. die Diskussion der Namensgebung für die Hoch und Tiefs beim Wetterbericht....!!!)
gute antwort, ist damit wohl beantwortet :-)
Schade, dass man für Kommentare keinen Daumen vergeben kann!